Ausgabe 14 · April 2012
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Leserbriefe
Seltener Regen
Zu: Titelthema Plitsch-Platsch (Ausgabe 13)
Zunächst einmal vielen Dank und ausdrückliches Lob für die self-made-Zeitschrift »Fahrradzukunft«, auf die ich vor einigen Monaten gestoßen bin. Viele Ihrer Artikel habe ich inzwischen verschlungen. Angeregt durch die Artikel über das Radfahren bei jedem Wetter habe ich meinen eigenen Weg zum Radfahren bei jedem Wetter reflektiert.
Als ehemaliger Viel-Autofahrer, der bis vor drei Jahren bei weitem Weg
zur Arbeit auch deutschlandweit und international unterwegs war und
jährlich auf etwa 75–
Im nordwestdeutschen Flachland geboren und aufgewachsen, war ich in
der Jugend das ständige Fahren mit dem Rad gewohnt. Heute wohne ich in
einer Mittelgebirgslandschaft im nördlichen Siegerland auf etwa
Seit etwa
So wie ich vorher vieles über den PKW-Verkehr in Deutschland erfahren habe, sehe ich nun den Straßenverkehr und die notwendige Ausrüstung völlig anders. Das fängt an bei der notwendigen Bekleidung für Regenwetter, Schneefall, Frost (durchaus auch mal unter minus 10 °C), geht über zugeparkte Radwege, wenn Autofahrer oder auch LKW-Fahrer schnell mal etwas in einer Bäckerei oder bei der Tankstelle besorgen wollen über nicht geräumte oder gestreute Radwege, über die Rücksichtslosigkeit oder Unaufmerksamkeit gegenüber Radfahrern beim Abbiegen, beim Ausfahren aus Straßen oder von Grundstücken bis zu Erlebnissen mit Schülern und Erwachsenen, die morgens auf dem Weg zur Schule oder Arbeit in Rudeln den Radweg versperren. Die nehmen häufig die Umgebung gar nicht mehr war, da sie auf jedem Weg dem Musikgenuss, durch Walkman oder mobile Telefone produziert und mittels Kopfhörer direkt ins Ohr transferiert, frönen. Das bisschen Restaufmerksamkeit bei manchen gilt dann nur noch dem Mitschüler oder Mitmenschen, der sich in unmittelbarer Nähe befindet. Insbesondere der Fahrradverkehr wird nicht wahrgenommen, auch keine Klingel. Autos können da im Bedarfsfall stärkere Schallwellen produzieren.
Wenn ich nach der Arbeit noch etwas in einer ca.
Doch nun zum Fahren bei jedem Wetter zurück: Zunächst einmal gab es während des nun schon stattlichen Erfahrungszeitraums gar nicht so oft Wettersituationen, die mich am Radfahren hinderten. Heftige Regen- oder Schneefälle sind viel seltener als von mir zunächst befürchtet. Zudem kann man bei Schauerwetter auch mal den Regenguss abwarten. Bei regnerischem Wetter oder bei Schneefall trage ich im Sommer wie im Winter eine Outdoorjacke von Schöffel mit herausnehmbarem, im Winter wärmenden Innenfutter sowie mit einer Kapuze oder eine Hyventjacke von The North Face mit Kapuze. Das Haupthaar ist noch intakt, sodass hier ein gewisser Basisschutz gegen Witterungseinflüsse gegeben ist. Die Jacke schützt von der Hüfte an aufwärts gegen Nässe. Wenn es – wie meistens – nicht regnet, reicht auch eine Softshelljacke von The North Face. Dank Kapuze sind auch überraschende Regenfälle kein Problem.
Von der Taille an abwärts trage ich je nach Jahreszeit eine normale Jeans oder eine Jeans mit wärmendem Thermofutter. Die Oberschenkel, die kritische Zone bei Niederschlag, schütze ich bei Regen mit Rainlegs, die ich bei Rose erstanden habe. Damit sind die beschriebenen Distanzen gut zu meistern, ohne dass ich durchnässt am Arbeitsplatz oder zu Hause ankomme. Spezielle Schuhe trage ich auch im Winter nicht. Mir reichen im Winter normale Outdoorschuhe, mit denen man auch einen Schneespaziergang machen könnte.
Die Hände wärme ich im Winter bei jedem Wetter mit gut gefütterten GORE-TEX-Handschuhen von Gore Bike Wear. Die halten Kälte und Wasser erfolgreich ab. An kühleren, trockenen Herbsttagen reichen mir auch ein Paar Fleecehandschuhe von Barts.
Nachdem es im Sommer 2011 viele Male stark geregnet hat, habe ich mir doch noch eine wasserdichte Hose von VAUDE zugelegt, die ich einige Male getragen habe. So konnte ich auch bei längerem, starkem Regen trocken das Büro erreichen.
Soviel zu meinem täglichen Erlebnis »Radfahren bei jedem Wetter«. Ach
ja, bleibt noch nachzutragen, dass ich
Rainlegs mit Konstruktionsfehler
Zu: Wetterbekleidung (Ausgabe 13)
Die Rainlegs habe ich mir im Herbst 2009 gekauft und nutze sie wegen
der Zweckmäßigkeit und des Nicht-Schwitzens darunter nach wie vor
gern. Ich habe aber auch sehr schnell festgestellt, dass sie einen
Konstruktionsfehler haben:
Die Klettbandfixierung unter dem Knie wird über den Regenschutz hinweg
um die Wade herumgeführt. Durch diese Anordnung wirkt dieses Band wie
eine Tropfkante, die das über die Oberschenkel ablaufende Regenwasser
zu den Waden hin ableitet und dort die Hosenbeine pitschnass werden
lässt. Vermeidbar wäre das, würde man das Gurtband nicht auf der
Außen- sondern der Innenseite des Beinschutzes befestigen.
Diese Änderung habe ich auch dem Rainlegs-Hersteller vorgeschlagen, als Antwort aber nur die Mitteilung erhalten, dass ich die Rainlegs wegen Nicht-Gefallens zurückgeben dürfe. Schade eigentlich um die gute, jedoch verbesserbare Idee.
Illegaler Fingerling
Zu: Wetterbekleidung (Ausgabe 13)
Ich zitiere:
»Es soll mal eine geniale kleine Erfindung gegeben haben, deren
Markteinführung aber aus Sicherheitsgründen verboten wurde: Jemand
hatte ein Stückchen Auto-Scheibenwischerblatt mit einem Fingerling
kombiniert. Auf den Zeigefinger geschoben, konnte man damit sein
Brillenglas freiwischen. Angeblich war dieses
Lenker-Loslassen-und-mit-der-Hand-über-die-Augen-Wischen der Grund,
warum es nicht auf den Markt gekommen ist, aber jeder kann das für
sich ausprobieren.«
Wenn das verboten ist, habe ich hier einen illegalen Link für Sie
;)
Sehen Sie: Louis:
Finger-Scheibenwischer
Kopenhagen-Liebhaber
Zu: Dänemark – ein Vorzeigeland für Fahrradfahrer? (Ausgabe 13)
Als Kopenhagen-Liebhaber finde ich den Artikel sehr interessant, da ich bislang kaum in den anderen Landesteilen mit dem Rad unterwegs war. Ich habe in kleinen dänischen Orten relativ unterschiedlich ausgestattete Radwege gesehen. Allerdings waren diese im Winter geräumt, im Gegensatz zu Deutschland. Zum Geisterradeln: Ich genieße es, in Kopenhagen nicht auf Geisterradler zu treffen. Und wenn es an einigen seltenen Tagen dennoch mal vorkommen sollte, dass eine kleine Gruppe Radfahrer für wenige Meter versucht, auf dem falschen Radweg gegen den Strom anzukämpfen, dann waren das deutsche Touristen.
Eingangspannung begrenzen
Zu: Steckdose unterwegs – Teil 3 (Ausgabe 13)
Danke für die Fortsetzung zu dem Ladegerät-unterwegs-Artikel.
Ich habe inzwischen auch einen DC-14 hier liegen und will natürlich
auch nicht den Flaschendynamo, sondern meinen Nabendynamo benutzen.
Weil es keinen Schalter gibt, würde das ja heißen, den DC-14 permanent
am Netz zu lassen. Deine Messungen schienen das ja auch problemlos
zuzulassen. Aber warum ist das erste Exemplar dann gleich
kaputtgegangen?
Das DC-14 scheint keine hohen Spannungen am Eingang zu vertragen.
Einfache Reibraddynamos lassen infolge hoher innerer Verluste die
Leerlaufspannung nie über
Unbekannter Scheinwerfer?
Zu: Steckdose unterwegs – Teil 3 (Ausgabe 13)
Ihre Online-Zeitschrift bietet wertvolle, sehr interessante
Information.
In Ihrer Artikelreihe »Steckdose unterwegs« wurde allerdings der im
Axa-Nano-Plus-Frontscheinwerfer integrierte USB-Lader nicht mal
erwähnt. Dieser mit einem »Eurobike 2010 Award« ausgezeichnete
Scheinwerfer müsste Ihrem Redaktionsteam doch bekannt sein.
Ich hoffe also, dass die Redaktion Ihrer Zeitschrift dieses Versäumnis
bald verbessern wird.
Den Axa Nano habe ich selbstverständlich auf der Eurobike angeschaut und mich mit dem Produktmanager darüber unterhalten. Die dort ausgestellten Exemplare waren aber alles andere als Serienmodelle. Muster wurden uns für Ende Oktober 2010 zugesagt. Später hieß es, die ersten Exemplare gäbe es im Februar 2011. Mittlerweile heißt es von Axa-Basta, im Herbst sei der Nano verfügbar. Die einzige Aussage, die man dazu treffen könnte, ist, dass die Eurobike-Award-Jury nicht ordentlich geprüft hat, ob es sich um ein reales Produkt handelt, das ausgezeichnet wird …
Wenn Sie gute Beziehungen zu Axa-Basta haben und mehr wissen als wir – oder gar die Möglichkeit haben, uns zu Musterexemplaren zu verhelfen – dann werden wir das Produkt gerne testen. Pressemitteilungen des Herstellers abdrucken, wie das viele andere Fahrradzeitschriften gemacht haben, widerspricht dem Selbstverständnis der Fahrradzukunft.
Weißer Rauch bei 84 km /h
Zu: Steckdose unterwegs – Teil 2 (Ausgabe 12)
Ich finde es klasse, dass ihr die vielfältigen Ladegeräte, die mit dem Boom der Nabendynamos und Kleingeräte auf den Markt drängen, auch nach technischen Aspekten wie Wirkungsgrad, Leerlaufverluste oder Maximalstrom testet. Die Vergleichstest werden sicherlich die Qualitätsverbesserung vorantreiben. Ein Umstand ist euch jedoch entgangen, zumindest beim Kemo Fahrrad-Laderegler M172, nämlich die Spannungsfestigkeit.
Den Laderegler M172 betreibe ich am Rennrad parallel zum
Edelux-Scheinwerfer von Schmidt und zum Seculite-Rücklicht von
Busch&Müller. Gespeist wird die elektrische Anlage vom
SONdelux-Nabendynamo. Mit der USB-Buchse des Ladereglers lade ich
keine Akkus auf, sondern versorge das Navigationsgerät eTrex Vista HCx
während der Fahrt mit Strom. Das verlängert nicht nur die Laufzeit der
Stützbatterien bzw. Akkus, die im Stillstand die Stromversorgung
übernehmen, sondern verhindert lästige Stromunterbrechungen, wenn die
Akkus im Batteriefach durch die Vibrationen klappern. Mit
Hintergrundlicht und elektronischem Kompass zieht das Navi gerade mal
Sobald jedoch die Spannung am Nabendynamo
Das unbeschriebene Verhalten ärgert mich um so mehr, als ich
eigentlich bei hohen Geschwindigkeiten verhindern will, dass
Vibrationen im Batteriefach die interne Stromversorgung des
Navigationsgerätes unterbrechen. Die ungewollte Stromunterbrechung
kann ich nur verhindern, indem ich das Fahrlicht dazuschalte, damit
dessen höherer Strom die Spannung des Nabendynamos auf
In meinem Tourenrad werkelt ein herkömmlicher SON-28-Nabendynamo, der
schneller höhere Spannungen erzeugt als der SONdelux. Hinzukommt die
höhere Drehzahl der 26-Zoll-Laufräder. Er treibt nachts zwei
Halogonscheinwerfer in Serie an. Der Laderegeler M172 von Kemo
schaltet hier die Stromversorgung des Navigationsgerätes schon bei

Zu guter Letzt möchte ich noch eine allgemeine Bemerkung loswerden.
Die Elektronik zog zuerst mit LED-Rücklichtern Einzug in die
Fahrradtechnik, diesen folgten die LED-Scheinwerfer, bald werden auch
die Ladegeräte zum Standard gehören. Jedes Bauteil enthält seinen
eigenen Gleichrichter, seinen Spannungsregler, seinen eigenen
Überspannungsschutz und gegebenenfalls einen Goldcap-Kondensator fürs
Standlicht. Die doppelte und dreifache Ausführung kostet Geld, Gewicht
und womöglich auch Wirkungsgrad. Supernova bietet bereits eine
Kombination aus Scheinwerfer und Rücklicht an, welches vom
Scheinwerfer-Standlicht gespeist wird. Allerdings lässt noch die
Helligkeit des Standlichtes zu wünschen übrig. Axa wurde für den
Nano-Plus-Scheinwerfer letztes Jahr mit dem Eurobike Award
ausgezeichnet, welcher gleich die USB-Stromversorung enthält, wenn
auch nicht im Parallelbetrieb. Der Scheinwerfer wurde mittlerweile
wieder aus dem Handel gezogen. Wer bringt als Erster den Scheinwerfer
heraus, der gleichzeitig das Rücklicht mit Gleichstrom sowohl im
Fahrbetrieb als auch im Stillstand und einen USB-Stecker mit
Vielen Dank für diesen Bericht aus der Praxis. Das Kemo M172 hatten
wir bis Tempo
Langlebige Kettenblätter: Mangelware
Zu: Ist Stahl wirklich haltbarer als Alu? (Ausgabe 10)
Habe mit großem Interesse Ihren Artikel auf der Website gelesen.
Mein Problem: Ich fahre auch beim Mountainbike (Hardtail KTM) lieber
große statt kleine Gänge, bin vorwiegend im Thüringer Mittelgebirge
unterwegs – im Durchschnitt ca.
Mein Fahrrad hat ca.
Als gelernter Maschinenbauingenieur musste ich mit Erschrecken
feststellen, dass das äußere Kettenblatt aus Alu ist. Nur die anderen
sind aus Stahl. Da das große bei mir aber zu 70 bis
Selbst auf der Suche habe ich leider keinen Hersteller gefunden, der
mit seinem Kettenblatt auf Dauer (Ziel
Alu hat nur
Auf der Suche nach einem äußeren Kettenblatt aus Stahl mit 48 Zähnen bin ich leider noch nicht fündig geworden. Da Sie sich schon mit diesem Thema befasst haben, meine Frage ob Sie Hersteller kennen, bei denen ich fündig werden kann?
In letzter Instanz würde ich mir zwei Ritzel selbst fertigen, dazu fehlen mir aber die 3D-Daten, damit ich die Zahnflanken naturgetreu nachfräsen könnte. In überteuerte Titan-Ritzel zu investieren ist mir zu unsicher!
Über eine Rückantwort Ihrerseits würde ich mich sehr freuen.
Die Lebensdauer Ihrer großen Blätter – nur 500 bis
Einerseits halten große Blätter normalerweise wesentlich länger als mittlere oder gar kleine, weil das Hebelverhältnis günstiger ist: Bei gleicher Pedalkraft ist die Kettenzugkraft entsprechend kleiner. Andererseits ist der kraftvolle Einsatz großer Gänge, besonders bergauf, nur mit einem sehr »unrunden« Tretstil möglich: Eher »Stampfen« als »Kurbeln«.
Kurbler alias Schnelltreter wählen kleine Gänge und verteilen die
Belastung relativ gleichmäßig über die gesamte Umdrehung (am besten
unterstützt durch Fußkoppelsysteme wie Klickpedale oder
Pedalhaken).
Stampfer alias Schwertreter dagegen nutzen nur einen wesentlich
kleineren Gesamtwinkel, bei annähernd waagerecht stehenden Kurbeln.
Für die gleiche Leistung müssen sie viel größere Momentankräfte
aufbringen, was den Kettentrieb (aber auch das Kniegelenk)
entsprechend belastet.
Ein kritischer Blick auf das verschlissene Kettenblatt verrät den Tretstil des Fahrers. Gleichmäßige Sägezähne über den gesamten Umfang: Schnell- und Rundtreter. Stark verschlissene Zähne in zwei Bereichen (rechtwinklig zur Kurbelachse), die restlichen Zähne sehen viel besser aus: Schwer- und Langsamtreter.
Sie könnten mal ausprobieren, kleinere Gänge zu fahren. Die Umstellung braucht Zeit, weil sich der Tretreflex »einschleifen« und die Muskulatur die schnellere Bewegung »lernen« muss. Möglicherweise reduziert das Ihren (bisher rasanten) Verschleiß, einerseits durch die gleichmäßigere, schwächere Belastung, andererseits durch die Verteilung auf zwei regelmäßig genutzte Blätter (kleinere Gänge bedeutet ja, das mittlere öfter zu nutzen).
Stichwort Gewichtsersparnis: Nach der vorherrschenden Marktideologie sind wir alle leichte, durchtrainierte Bergfexe. Klein, dünn, leicht gebaut, kein überflüssiges Gramm Fett. Wir sind die Schnellsten, haben nur Rekorde im Kopf und keine anderen Bedürfnisse (Mobilität? Das ist doch nur was für Weicheier). Überflüssiger Schnickschnack (Licht, Schutzbleche, Parkstütze …) kommt uns nicht ans Rad, weil viel zu schwer. Gepäckträger schon garnicht – völlig unsinnig, Gepäck bremst doch nur.
Die Maschine muss leicht sein. Leicht ist geil. Viele
Kaufinteressenten schauen zuerst auf die zwei wichtigsten Zahlen im
Prospekt: Euro und Kilogramm. Das fängt schon in der 500-Euro-Klasse
an, und bei teureren Maschinen ist der Kilofetisch noch viel
mächtiger. Im High-End-Sektor ist es völlig normal, für ein Kilogramm
weniger (das man eigenen Körper gratis abspecken könnte, wenn man denn
wollte) ein paar tausend Euro mehr auszugeben.
Verschleiß und langfristige Betriebskosten dagegen haben nie eine Geige auf dem Fahrradmarkt gespielt. Beispiel Kette: Für andere (weniger verschleißbehaftete) Bauteile gibt es oft ausführliche technische Dokumentationen. Aber mir fällt kein Kettenhersteller ein, der dem Nutzer verrät, wie und womit das Verschleißteil zu schmieren wäre. Das muss der schon selbst rausfinden, mehr oder weniger experimentell. Analogie: Motorölwechsel bei Kraftfahrzeugen, deren Hersteller viel mitteilsamer sind.
Eine kaufbare Alternative für Ihr Problem fällt mir nicht ein. Von
Shimano gibt es zwar Stahlkettenblätter mit guter Lebensdauer (Deore
XT und Deore, »Verbundbauweise«, mutmaßlich gehärtet bzw. vergütet),
aber nur als mittlere, mit 32 bzw. 36 Zähnen. Davon profitieren nur
die Fahrer, die wie ich in der Ebene und an moderaten Steigungen fast
nur auf dem mittleren Blatt fahren und das große nur bergab oder bei
Rückenwind nutzen.
Große Stahlkettenblätter kenne ich nur als Billigvarianten aus weichem
Baustahl, die schneller verschleißen als gute (harte)
Aluminiumblätter. Stahl ist eben nicht immer gleich Stahl, und Alu
nicht gleich Alu. Wirklich schlauer macht nur der Härtetest – im
einfachsten Fall eine Ritzprobe mit der Reißnadel.
Die von Ihnen angedachte Eigenbaulösung kann nur funktionieren, wenn
Sie ziemlich enge Fertigungstoleranzen (Maße und Teilung) einhalten
können.
Falls ja, könnte ich Ihnen wohl Daten liefern, und auch Kontakt zu
einem engagierten kleinen Kettenblattfabrikanten herstellen, den Sie
knowhowmäßig ausquetschen könnten.
Aber dann müssen Sie auch mit einem Kleinauftrag von mir rechnen:
Wenig Fräsarbeit, weil nur 15 bzw. 16 Zähne ;o).
Nahezu fundamentalistisch
Zu: Elektroräder sind einfach nur toll – wirklich? (Ausgabe 9)
Ihren Beitrag habe ich mit Interesse gelesen, gefunden über das Flyer-Forum Suchwort Energieverbrauch, und auch die anderen Beiträge des Heftes, z. B. zum Elektro-Akku.
In vielen gebe ich Ihnen Recht, aber vielleicht Zweierlei:
Wenn die Alternative für die sagen wir mal 65- bis 75-Jährigen (und
das ist ein wachsender Teil der Bevölkerung) Verbleiben im fußläufigen
Bereich ist, oder noch mehr Bus fahren (mehr Nahverkehrsausbau) oder
elektrogestütztes Fahrradfahren, das auch noch fit hält auch gegenüber
dem Pkw, dann spricht doch einiges für die Pedelecs für diese
Zielgruppe (menschenrechtlich und ökologisch). Ähnliches gilt für
Eltern, die ihre Kinder statt mit dem Offroader mit Pedelec und
Anhänger in die Kita hintern dem Hügel bringen. Vielleicht sollten Sie
von der Topographie Frankfurts (und den dortigen Windverhältnissen)
nicht auf die ganze Welt schließen. Kein Wunder, ist die
Pedelec-Dichte in der Schweiz sehr hoch, und ich sehe viele Senioren
mit dem Flyer unterwegs.
Bei allem sachlich Zutreffendem finde ich manches in den Beiträgen der
Ausgabe 9 nahezu fundamentalistisch. Meist wird hier das Pedelec mit
dem Fahrrad verglichen und schneidet da natürlich schlecht ab (also:
ich bin einig, dass eine Substitution des reinen Muskelkraftfahrrades
durch Pedelecs nicht wünschenswert ist). Alle Ihre Argumente ziehen
aber nur, wenn das Fahrrad wirklich als Option zur Verfügung steht.
Gegenüber den anderen Optionen, insbesondere feinstaubemittierenden
verbrennungsmotorgetriebenenen Zweirädern (nach weiteren
Wenn man den Betrachtungswinkel weit aufmacht und z. B., wie in der Diskussion im Flyer-Forum, überlegt, wie man eine stadtrandgelegene Siedlung autofrei bekommt (Wohnbaugenossenschaft Oberfeld), dann ist das normale Fahrrad die zentrale Säule, die aber ohne weitere (ergänzende Transportmittel) gar nicht erst aufgebaut werden kann. Die glückliche (Fahrrad-)Zukunft liegt in Vielfalt und Differenz.
Klischee aus Fleisch und Blut
Zu: Elektroräder sind einfach nur toll – wirklich? (Ausgabe 9)
Sie schreiben:
»Andererseits ist von Elektroradbefürwortern immer wieder zu hören,
dass es sie doch gibt – die Gesunden und Leistungsfähigen, denen das
Pedelec den Weg zur Arbeit erleichtert. Ein Standardbeispiel ist der
Spessart- oder Hintertaunus-Bewohner, der viele Höhenmeter auf dem Weg
zur Arbeit hat, die ohne Hilfsantrieb viel schwerer und langsamer zu
bewältigen sind.«
Hübsches Profil – nur in Fleisch und Blut getroffen habe ich dieses
Klischee noch nicht.
»Ich bezweifle nicht, dass solche Pedelec-Nutzer existieren – aber wie
viele sind es?«
In Marburg sicher einige Dutzend. Was der damalige Aachener OB nur als
Ausrede beschwor, stimmt hier wirklich: Die Topografie rund um die
Stadt macht es ungeübten Radlern schwer, sich weit vom Fluß zu
entfernen – und auch solchen, die zu einem Termin wollen, ohne vorher
noch zu duschen.
Der Uni-Standort Lahnberge (typisches Erweiterungsgebiet der 1970er
Jahre für alte deutsche Uni mit Klinikum, Naturwissenschaften u.ä.)
liegt fast
Was in der Praxis wirklich hilft: Ganz normale Fahrräder auch mal im Stadtbus mitnehmen zu können. Hat sich hier recht gut eingespielt und bietet den Schlechtwetterschutz, den ich bei fast allen Sorten Fahrrad immer noch schmerzlich vermisse.
Die Zeitschrift, die mir gefehlt hat
Ihr macht da eine ganz tolle Arbeit!
Ich hab’ von euch erst auf der letzten SPEZI gehört und muss sagen:
Das ist die Zeitschrift, die mir gefehlt hat!
Die anderen sind auch gut, haben aber meist nicht die Themen, die mich
interessieren. Ich bin Alltagsradler, der an Transportlösungen mit dem
Fahrrad und zügigem Vorwärtskommen in der Stadt und im Umland
interessiert ist (Lastenräder, Anhänger, Liege-Dreiräder).
Im Moment überlege ich, mein altes MTB auf Nabenschaltung umzubauen und trotzdem die Dreiblatt-Kurbel vorne zu lassen – mal sehen, wie es wird.